Die Motivation lässt nach. Und dann?
Die ersten Tage eines neuen Projekts fühlen sich immer vielversprechend an. Alles scheint möglich. Die Energie ist da. Du bist überzeugt, dass es diesmal klappt.
Doch dann kommt der Moment, in dem es kippt…
Gerade erlebe ich dieses Phänomen parallel an drei verschiedenen Stellen. Beim Thema Content bin ich noch voll im Novelty-Effekt, was sich daran zeigt, dass es mir richtig Spaß macht und ich motiviert bin, auch wenn es viel Zeit kostet.
Anders sieht es bei Code und Sport aus. Diese beiden Themen begleiten mich schon länger, und da ist der Effekt längst verflogen. Genau hier spüre ich den Unterschied besonders deutlich, weil es mir schwerer fällt, die Konstanz zu halten. Meistens klappt es noch, aber nicht zuverlässig in meiner geplanten Frequenz. Das hängt auch damit zusammen, dass der Content momentan so viel Zeit und Energie beansprucht, während ich parallel meine Arbeit und bestehende Projekte nicht vernachlässigen kann und vor allem genug Zeit mit meiner Familie verbringen will.
ABER: Das ist kein Versagen. Das ist der Punkt, an dem die Regel greift, um die es heute geht.
Der Novelty-Effekt beschreibt, wie das Gehirn auf Neues reagiert. Unbekannte Reize aktivieren das Belohnungssystem stärker als vertraute. Das Ganze ist evolutionär durchaus sinnvoll, denn Neues könnte eine Chance oder eine Gefahr sein, also wird es priorisiert. Das Ergebnis ist ein kurzer Bonus, ein Gefühl von Energie und Fokus.
Das Problem: Dieser Bonus ist an das Neue gekoppelt und nicht an den Wert der Sache. Sobald etwas vertraut wird, flacht er ab. Was bleibt, ist das Verhalten ohne den eingebauten Rückenwind. Egal wie wichtig, wertvoll oder großartig unser Projekt oder Vorhaben ist.
Ein oft zitierter Befund ist die Studie von Phillippa Lally und Kollegen, welche an der University College London (UCL) untersuchten, wie lange es dauert, bis ein neues Verhalten von uns automatisch abgespielt wird. Das Ergebnis: im Median etwa zwei Monate, aber mit enormer Varianz. Manche erreichten diese Automatizität schon nach wenigen Wochen, andere brauchten über acht Monate. Dazu kommt: Einfache Handlungen wie ein Glas Wasser trinken gingen schneller, komplexere wie regelmäßiger Sport dauerten deutlich länger.
Solange ein Verhalten neu ist, müssen wir uns aktiv dafür entscheiden, was eigentlich anstrengend ist. Aber wir merken die Anstrengung kaum, weil uns die Motivation des Neuen trägt. Doch das Problem ist: Diese Motivation ist nur geliehen. Sie verschwindet, sobald das Neue vertraut wird. Der kritische Punkt ist der Übergang, an dem wir weitermachen müssen, bis aus dem bewussten Tun eine automatische Routine geworden ist.
Das erklärt auch, warum so viele Projekte genau dann scheitern, wenn es eigentlich losgehen sollte. Der Anfang fühlt sich gut an, also scheint alles zu funktionieren. Und dann, nach ein paar Wochen, ist die Leichtigkeit weg, und es fühlt sich plötzlich falsch an. Die naheliegende Interpretation ist dann oft, dass das Projekt oder Vorhaben nicht passt.
Aber das ist ein Fehlschluss. Die fehlende Motivation und Leichtigkeit sind kein Signal, dass etwas nicht stimmt. Es ist der Übergangspunkt von Neuheit zu Routine. Und diese Zeit ist hart…
Ich habe diesen Fehler lange gemacht… Ich hatte eine neue App-Idee, neue Energie und drei Wochen später: Abbruch. Es kam der nächste Trainings-Plan: Gleiches Muster. Ich dachte irgendwie immer, ich suche nach dem Richtigen. In Wahrheit bin ich aber einfach immer vor dem gleichen Punkt weggelaufen: dem Moment, wo die Neuheit aufhört und die Arbeit anfängt.
Was mir jetzt hilft, ist eine einfache Regel: Wenn die Leichtigkeit nachlässt, reduziere ich die Intensität, aber nicht den Einsatz.
Konkret heißt das: Statt z. B. 60 Minuten Krafttraining im Gym, mache ich 10 Minuten Yoga Zuhause. Der Punkt ist nicht die Dauer oder die Qualität. Der Punkt ist, die Lücke zu schließen zwischen dem Moment, in dem Motivation trägt, und dem Moment, in dem Automatik übernimmt.
Denn das ist der eigentliche Test. Nicht wie es sich anfühlt. Sondern ob du es trotzdem tust und dir damit eine Routine aufbaust.
Drei Dinge, die mir helfen: Erwarte den Einbruch. Er kommt bei fast jedem neuen Vorhaben nach ein paar Wochen. Das ist kein Zeichen, dass etwas falsch läuft. Reduziere die Intensität, wenn die Leichtigkeit nachlässt – aber bleib dabei. 10 Minuten schlagen 0 Minuten. Miss Erfolg nicht an der Energie, sondern an der Konsistenz. Die Frage ist nicht: Wie fühle ich mich? Die Frage ist: Habe ich es getan?
Nicht perfekt. Nur konstant. Tom